Magichorse alles über Kaltblutpferde

Kaltblutpferde

Wenn unter breiten Hufen und massigen Körpern der Boden erzittert, wenn Eleganz und massive Kraft, gepaart mit unverwechselbarem Charme die Herzen der Menschen höher schlagen lassen, dann fordern Kaltblutpferde mit ihrer imposanten Art unsere Aufmerksamkeit ein. Doch was ist eigentlich unter dem Begriff "Kaltblutpferd" zu verstehen??

Kaltblutpferde allgemein:

Kaltblutpferde im einsatz beim Rosstag in Kötzting

Meistens sind diese umgänglichen und liebenswerten Pferde im deutschen Sprachgebrauch mit einem gewissen Negativtouch durch die Namen "Kaltblutpferd" oder "Pferd kaltblütigen Schlages" behaftet. Dabei sind Kaltblutpferde weder "kaltblütig" im Sinne von bösartig und berechnend, noch ist ihr Blut kälter als das eines anderen Säugetiers. Die Temperatur des Blutes bei Kaltblutpferden beträgt stattdessen, wie bei allen gesunden Pferden auch, durchschnittlich 38°C. Die Bezeichnung "Kaltblutpferd", welche heute vielfach durch Begriffe wie Zugpferd, Schweres Arbeitspferd oder auch äußerst liebevoll durch Kosenamen wie "Sanfte Riesen" oder "Liebenswerte Dicke" ersetzt wird, wurde ab Mitte des 18ten Jahrhunderts mit dem Beginn der Zucht schwerer und schwerster Pferde für die tägliche Arbeit benutzt.
Das Kaltblutpferd ist im Ursprung dem Waldpferd zuzuordnen. Es ist das schwere, langsame Pferd, das im Pleistozän, auch Diluvium genannt (ca. 2 Millionen - 10000 Jahre v. Chr. = spätes Eiszeitalter), lebte und als ein früher Vorfahre unserer Kaltblüter angesehen werden kann. Der zeitlichen Zuordnung entsprechend wird es Diluvial-Pferd, Equus przewalskii silvaticus oder auch Waldtarpan genannt, weil es mit dem Pferd in den östlichen waldreichen Steppen verwandt gewesen sein soll. Um zu überleben musste sich das nordische Pferd den klimatischen Veränderungen anpassen als sich zu Beginn der Eiszeit die Erdoberfläche abzukühlen begann. Es bewegte sich in den verschiedensten Gebieten: Gebüsch und Wald, auf Felsgeröll, Eis und Schneedecken sowie in Sommersümpfen. Es fing an sich zu verändern, bekam ein langes, dickes Winterfell, um die Kälte zu ertragen, auch Schweif, Mähne und der Fesselbehang wurden dick und robust, um Kopf, Genitalien und Beine vor Verletzungen, und im Sommer vor Insekten zu schützen. Die geringe Körperoberfläche im Verhältnis zum Körpervolumen war die ideale Voraussetzung für das optimale Halten der körpereigenen Wärme und so ein auskühlen zu verhindern.
Auch die Hufe passten sich an und wurden flacher und breiter als die der südlichen Steppenpferde (diese flache Form ist heute noch bei manchen unserer Pferde zu finden.) Wegen der unebenen und verschiedensten Böden bewegte es sich meist im Schritt vorwärts. Seine Nahrung bestand in erster Linie aus hartem Schilf und Zweigen, was es sehr genügsam machte. Die Größe dieses Urtyps des Pferdes soll zwischen 130 und 150 cm Stockmaß betragen haben.
Bereits in der Eiszeit sollen mindestens 20 verschiedene Formen des Urwildpferdes vorgekommen sein, von denen die meisten in ihrem Körperbau dem heutigen Kaltblut ähnlich waren.
Das heutige Kaltblutpferd unterscheidet sich nicht wesentlich von seinen jahrtausendealten Vorfahren. Die äußeren Merkmale, haben sich kaum verändert. Hauptsächlich Größe und Gewicht veränderten sich durch züchterische Selektion, die den jeweiligen geographischen und klimatischen Bedingungen und damit auch den Erfordernissen hinsichtlich der Haltungsbedingungen und der Arbeitsleistung der Pferde angepaßt wurde. Der Kaltblüter von heute hat eine druchschnittliche Größe zwischen 150 und 170 cm Stockmaß mit einem Gewicht zwischen 600 und 1200 Kilogramm.

Kaltblutpferde im einsatz beim Rosstag in Kötzting

Beachtenswert ist das relativ kleine Herz eines Kaltblutpferdes im Vergleich zu dem eines Vollblüters: das Herz eines Kaltblüters wiegt nur 0,6% seines Körpergewichtes, das eines Vollblüters dagegen jedoch über 1% von dessen Körpergewicht. Ein Kaltblutherz hat jedoch generell mehr Blutvolumen zu bewältigen und auch die Herzfrequenz ist immer höher ist als die eines Vollblüters. Fell und Behang sind dick und robust, der Fesselbehang mehr oder weniger ausgeprägt. Kastanien und Sporne sind bei den Kaltblütern größer als bei Warmblütern. Der kräftige Hals und der oft schwere, aber ausdrucksvolle Kopf mit der natürlichen Vorwärts-Abwärts-Haltung in der Bewegung passen zu den starken Knochen des möglichst kompakten Körpers. Auch die gespaltene Kruppe gehört zum Erscheinungsbild des Kaltbluts. Die Hautoberfläche ist naturbedingt unempfindlicher gegen Verletzungen und reagiert auch weniger sensibel auf großflächige Berührungen (Hand, Geschirr usw.), wogegen ihm Insekten erstaunlicherweise ebenso zu schaffen machen können wie einem Vollblut! Um es vor Verletzungen zu schützen ist das Auge oft von starker Haut umgeben.
Ein Kaltblüter ist genügsam im Futter (Erhaltungsbedarf), bei harter Belastung jedoch steigt der Futterbedarf in Hinsicht auf Menge und Gehalt entsprechend an.
Vom Temperament gilt von er von Grund auf als ruhig und ausgeglichen, was seiner Herkunft aus den urzeitlichen Wald-, Steppen- und Sumpfgebieten entspringt. Ein unbedachter Schritt hätte für die Zukunft verheerende Folgen haben können....!

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Letzte Aktualisierung: 12.03.2008

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